BetaCodex

Agilität in kleinen Unternehmen

Zu klein für agile Teams? Dann ist das ganze Unternehmen Ihr Team.

Peter Pröll3 Min. Lesezeit

Teamarbeit
Foto: Yakobchuk Olena (Adobe Stock)

„Ohne mich geht hier nichts.“ In kleinen Unternehmen ist das selten Eitelkeit — meistens stimmt es einfach. Sie sitzen mitten im Geschehen: Akquise, Koordination, erste Anlaufstelle für die Kunden. Zwei Wochen Urlaub, gut vorbereitet, lassen sich einrichten. Wird es länger, wird es heikel. Und fällt jemand aus, merken Sie sofort, wie eng alles an einzelnen Personen hängt — an Ihnen am meisten.

Zu klein für agile Teams?

Der naheliegende Gedanke, etwas zu ändern, führt schnell zu „agil“. Nur passt das Bild nicht recht: Für agile Teams nach Scrum sind Sie oft zu wenige. Die Arbeit ist kleinteilig, verteilt über viele Kunden, und jeder arbeitet für sich seinen Stapel ab.

Dazu kommt etwas, das man kleinen Unternehmen kaum zutraut: Schon hier sind Rollen und Zuständigkeiten scharf getrennt. Jeder hat sein Feld — und denkt selten über dessen Rand hinaus. Das eigenverantwortliche Mitdenken, das Sie sich wünschen, hat im Alltag wenig Platz. Die Prinzipien des agilen Manifests auf das Tagesgeschäft zu legen, ändert daran wenig.

Was, wenn das ganze Unternehmen das Team wäre?

Statt einzelne Abläufe agiler zu machen, lohnt der Blick auf das Ganze. Genau hier setzt der BetaCodex an: Selbstorganisation und Transparenz gelten nicht nur im operativen Klein-Klein, sondern für das ganze Unternehmen — bis in Bereiche, die bisher allein Ihre Sache waren: wie der Markt bedient wird, wie mit Ressourcen umgegangen wird, wie sich die Arbeit selbst koordiniert.

Entschieden wird dabei konsultativ: Wer eine Entscheidung vor sich hat, holt vorher Rat bei den Betroffenen und den Kundigen — und entscheidet dann selbst. Nicht das Gremium, nicht der Konsens. So bleibt die Erfahrung der Könner im Spiel, ohne dass sich alles bei ihnen staut.

Was vorher zu kleinteilig war, um ein echtes Team zu bilden, fügt sich im Gesamtzusammenhang zusammen. Kein Scrum — und trotzdem agil. Keine Vorgabe, keine Einteilung vom Chef, dafür mehr Zug hinter dem gemeinsamen Ziel.

Was sich dann löst

Wenn alle auf Unternehmensebene mitdenken, kommt einiges in Bewegung: Verantwortung, Motivation — und am Ende auch Wertschöpfung und Rendite. Vor allem aber löst sich die Abhängigkeit von einzelnen Personen, von Ihnen zuerst. Der Koordinationsaufwand, der sonst die Geschäftsführung frisst, wird kleiner. Und die Kundennähe, die kleine Unternehmen ohnehin auszeichnet, wird größer statt kleiner.

Kurz: Was der BetaCodex größeren Organisationen bringt, ist kleinen nicht verwehrt. Eher im Gegenteil — bei Ihnen ist der Weg dahin kürzer.

Und wenn Sie wachsen?

Dann zahlt sich das doppelt aus. Ein Unternehmen, in dem Menschen wirklich mitgestalten, zieht die richtigen Leute an — und behält das, was beim Wachsen sonst zuerst verloren geht: das Gefühl, dass jeder Beitrag zählt. Sie wachsen, ohne sich einen schweren Management-Überbau dazuzukaufen.

Das klingt nach viel auf einmal. Es fängt klein an — mit der Frage, welche Entscheidung heute noch über Ihren Schreibtisch läuft, obwohl sie es längst nicht mehr müsste.

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